Viel Glück, Krautreporter!

krautreporter

Jawohl. Ich unterstütze die Krautreporter. Weil ich den Kollegen wünsche, dass ihr Projekt gelingt. Und weil ich neugierig bin, ob sich ein “tägliches Magazin für die Geschichten hinter den Nachrichten” behaupten kann. Ich zumindest werde wohl die wenigsten dieser Geschichten lesen können.

Vor ein paar Wochen registrierte ich mich als Unterstützer für ein journalistisches Projekt, das über die Verwendung und Gefahr von Nano-Partikeln berichten wollte. Fiel mir heute wieder ein – denn: seither hatte ich schlichtweg keine Zeit und Muse, mich damit zu befassen. Es ist komplett hinten runter gerutscht.

Täglich “vier ausführliche, möglichst multimediale Beiträgen” will Krautreporter liefern. Noch mehr wunderbares Material in meiner stetig wachsenden “Read Later” Liste. Es ist ja nicht so, dass mir beim Browsen im Web langweilig würde, wenn ich denn mal Zeit dazu habe. Es stimmt: Viele wichtige Themen werden in den Medien stiefmütterlich behandelt; aber es bleiben dennoch genug Artikel, Multimedia-Stories, Mediastorm-Geschichten, Ted-Talks, Videos und Podcasts, die im globalen Web frei verfügbar sind und dank Twitter und Instapaper eine schier endlose On-Demand Playliste bilden.

Und manchmal lese ich auch einfach gern ein Buch.

Was ich wirklich suche und wofür ich auch gerne Geld ausgeben würde, ist ein wöchentlicher Digest der Themen, die in der Woche relevant waren. Unaufgeregt und gut geschrieben, knapp und doch in der gebotenen Ausführlichkeit, journalistisch brilliant und ideologie-frei, und ohne sich auf Teufel komm raus von der Konkurrenz abheben und überraschend sein zu wollen. Mit einer Linkliste der besten weiterführenden Artikel anderer Medien zu jedem Thema.

Ein solcher Digest würde mir helfen, mein durch zahllose News-Schnipsel während der Woche entstandenes Bild der Ereignisse abzurunden und zu vertiefen. Er würde mich davon befreien, wichtige Themen in drei verschiedenen Medien nachlesen zu müssen, um ein vollständiges Bild zu erhalten. Und wenn ich einmal in ein Projekt vergraben gar nicht zur Medienlese komme, könnte er mich in kurzer Zeit auf den Stand der Dinge bringen.

Oder dieses Projekt: Eine gut recherchierte Online-Lokalzeitung für meine Stadt. Von Journalisten, die sich in der Stadtpolitik auskennen, ihre Kontakte ins Rathaus haben, investigativ recherchieren und mich darüber auf dem Laufenden halten, was in meiner Stadt passiert. So, wie es der Lokalteil einer gut gemachten Zeitung macht, nur ohne den Zwang, das ganze Paket mit Weltnachrichten, Wirtschaft, Feuilleton, Sport und den bunten Seiten für dreihundert Euro im Jahr abonnieren zu müssen. Die hole ich mir bei den Quellen meiner Wahl. Sorry, ist so.

Die Zukunft des bezahlten Journalismus im Web gehört den Special-Interest-Angeboten und Nischen, davon bin ich überzeugt. Die wachsende Informationsflut, an der sich auch durch Paywalls nicht viel ändern wird, ist ein Faktor, der Journalisten knallhart mit der Frage konfrontiert: Wer braucht diese Geschichte? Dass der/die Journalist/in sie wichtig und interessant findet, reicht nicht aus.

Dabei gibt es für (fast) alles eine Nische. Die Frage ist nur, ob man sie entdeckt und seine Inhalte so zuzuschneiden in der Lage ist, dass genügend Menschen sie als “ihre” Nische entdecken. Vielleicht gelingt den Krautreporten das ja.


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