“Niiu” bringt die Zeitungs-Flatrate aufs iPad

Niiu App Startbildschirm

Nun ist sie also da, die App mit der Zeitungs-Flatrate. Seit Anfang April kann man mit der „Niiu“ App für rund 13 Euro im Monat aus Inhalten unterschiedlicher Bezahlmedien seinen eigenen Paid-Content-Cocktail zusammenstellen. Etwas ähnliches hatte ich mir in meinem letzten Blog-Post gewünscht. Werde ich nun also doch noch Abonnent?

Zum Start hat Niiu 23 Print-Titel an Bord. Das ist hoffentlich nur die Spitze des gelpanten Eisbergs, denn meine Wunsch-Medien sind  allesamt noch nicht dabei. Damit Niiu das Versprechen “Alle großen News-Portale und Zeitschriften in einer App” (Image-Video)  einlösen kann, müssen wohl noch einige Verhandlungen mit Verlegern geführt werden.

Die Benutzeroberfläche der App im Flipboard-Stil ist puristisch und bietet bislang noch wenig Möglichkeiten zur Konfiguration. So lassen sich zwar ganz einfach neue Ressorts aus einer Liste von Medien hinzufügen, doch weder gibt es eine übergreifende Stichwort-Suche noch die Möglichkeit, Artikel nach Stichworten zu abonnieren. Ich erhalte also den Sport-Teil der Bild, den Lokalteil der Berliner Zeitung oder das Politik-Ressort der Welt, kann aber nicht auf einen Schlag alle Artikel zu “Offshore-Leaks” abrufen. Noch nicht – die Funktionalität der App werde noch ausgebaut, sagt Niiu-Gründer Wanja Sören Oberhof in D-Radio Wissen.

Fehlt (noch): Archiv, web-optimierte Teaser

Wer Niiu an einem Sonntag testet, muss sich auf leere Seiten einstellen: Die meisten Ressorts sind Sonntags leer, weil die meisten Titel Tageszeitungen sind. Ein Archiv gibt es (noch) nicht. Was für mich ein Problem wäre, sollte es dabei bleiben: Gerade die Hintergrundgeschichten, die ich in Bezahlmedien suche, möchte ich „on demand“ dann konsumieren, wenn ich Zeit für sie habe, und nicht wenn die App es mir vorschreibt. Man kann Artikel zum Späterlesen als “Favorites” markieren, muss dazu aber erst das Tagesangebot durchforsten. Die technische Umsetzung eines Archivs stelle ich mir allerdings auch schwierig vor, weil Inhalte erst aufs iPad heruntergeladen werden müssen.

Niiu Inhalte

Das Navigieren in der App ist einfach und intuitiv. Allerdings: Die Zeitungsartikel sind nicht fürs Web optimiert. Print-Überschriften und Leads funktionieren aber nur bedingt als Teaser am Bildschirm. Es strengt an, über Titel wie „Deutschland Kompakt II“ oder „Einheitliche Strafen…“ auf Bedeutung und Inhalt eines Textes zu schließen, die Anrisse enden häufig einfach in Nichts. Ob die Größe der Teaser etwas über die Relevanz der Geschichten aussagt, habe ich noch nicht herausgefunden.

An den trunkierten Überschriften lässt sich sicher noch etwas schrauben. Wie man aber Überschriften, die nur in der Zeitung gut funktionieren, automatisiert fürs Web optimieren kann, weiß ich nicht. Das Beispiel Niiu zeigt mir jedenfalls, dass es nicht genügt, die ersten Zeilen eines Artikels zum Teaser umzuwidmen und diese dann wie Briefmarken aneinander zu kacheln. Soviel zum Thema Schreiben fürs Web.

Fazit: Ausbaufähig

Ich halte Niiu für einen Schritt in die richtige Richtung, der aber noch ausbaufähig ist. Schade, dass man nicht auf das Modell der New York Times setzt – 10 Artikel pro Monat frei, wer mehr liest, soll bezahlen. Denn bei gerade mal 23 Titeln halte ich es für den falschen Ansatz, nach nur 7 Tagen die volle Abo-Gebühr zu verlangen. Ob ich einen Service wirklich nutze, finde ich nur heraus, indem ich ihn über einen Zeitraum testweise in meinen Workflow integriere.

Ein echtes Manko ist für mich  die Tatsache, dass sich die Inhalte in keiner Weise kopieren und weiterverarbeiten lassen, die Kopierfunktion des iPad ist deaktiviert. Dass ich Ausschnitte oder ganze Artikel in mein privates Wissensarchiv übertragen kann – sei es als PDF oder als Kopie im Evernote-Notizblock –  ist für mich essenziell. Mit dem Leistungsschutzrecht wurde den Verlegern eine Handhabe gegen die öffentliche Verbreitung solcher Schnipsel gegeben. Da gibt es doch eigentlich keinen Grund mehr, privates Zerschnippeln der digitalen Zeitung zu verhindern.

Hintergrund über Niiu-Gründung:

Gründerszene.de: Niiu: Das große Comeback-Interview (22.10.2012)

 

 


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