Test: Videoschnitt-Software Teil III – Live Movie Maker

Dieses Video ist mit dem Live Movie Maker von Microsoft geschnitten und encodiert (gefilmt mit Kodak Zi8). Die neueste Version des Movie Maker hat nicht mehr viel mit dem gleichnamigen Programm der Windows XP Generation gemein. Letzteres war für Schulungszwecke durchaus einsetzbar, wenn es darum ging, ohne viel Softwaretraining aus Point&Shoot Camcorder-Material kurze Clips zu basteln. Ob der Live Movie Maker dafür noch taugt, ist fraglich.

Benutzerinterface Windows Live Movie Maker

Benutzerinterface Windows Live Movie Maker

Das größte Manko des Live Movie Maker ist seine ungeheuer unpräzise Steuerung. Der Preview ruckelt, gefriert zuweilen ein und hängt vor allem beim Übergang von einem Schnitt zum nächsten, so dass kaum auszumachen ist, ob ein Schnitt richtig sitzt. Einen Clip Frame für Frame abzutasten, um den exakten Schnittpunkt zu finden,  ist undenkbar. Ich würde es auf meinen Rechner schieben, doch auf  dem lief dasselbe 720p-Material in Magix Movie Edit Pro oder Adobe Premiere Elements problemlos.

Die Timeline mit Zeitangabe hat Microsoft gestrichen. Stattdessen gibt es nur noch eine Aneinanderreihung von Clips ohne jede Angabe von Parametern. Am Bildschirmrand brechen die Clips um – was ich viel unpraktischer finde als den Scrollbalken des alten Movie Maker.

Leider überträgt sich das Geruckel auch auf den fertigen Film. Wenn man Pech hat, geht es nach jedem Schnitt mit Verzögerung weiter.

Das Schneiden auf Rhythmus (zum Beispiel den des Soundtrack im Beispielvideo) ist eine echte Herausforderung, denn die einzelnen Takes lassen sich nicht mehr ohne Weiteres anpassen, wenn erst einmal ein Schnitt gesetzt wurde. Über das Trim-Werkzeug können Schnittpunkte verschoben werden, allerdings gibt es keine Möglichkeit, diese auf den Audio-Track abzustimmen.

Der Audio-Track des Rohmaterials kann für jeden Take ausgeblendet und mit einem importierten Audio-Track unterlegt werden. Was nicht geht, ist, das Video so zu schneiden, dass der O-Ton eines Takes einem anderen unterlegt wird.

Damit ist der Live Movie Maker natürlich prädestiniert dafür, bei etwas ambitionierteren Amateuren Frust zu erzeugen. Denn weder kann das Material passgenau auf einen Soundtrack geschnitten werden, noch sind ohne Weiteres Interviews möglich, bei denen die Stimme des Interviewten aus dem Off kommt.

Was gibt es Gutes zu sagen?

Der Live Movie Maker verarbeitet die gängige Formate von AVI bis AVCHD (ich habe sie nicht alle getestet), der Export ist relativ zügig und die Qualität des ausgegebenen WMV-Formats gut. Videos können auch direkt auf Youtube oder Facebook hochgeladen werden.

Credits: Der Soundtrack des Videos stammt von Phil Grooves.

Update 5.11.11: Ich hatte mittlerweile Gelegenheit, Live Movie Maker auf einem brandneuen Win7 Laptop zu testen. Die Performance war deutlich besser, das Programm spielte Tracks flüssiger ab.


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