Test: Videoschnitt-Software Teil 1 – Adobe Premiere Elements

Premiere Elements 7Bei meiner Arbeit als Online-Journalismus Trainer geht es immer wieder darum, in Sachen Video eher unbeleckten Teilnehmern in kurzer Zeit einen ersten Einstieg in die Videopraxis fürs Web zu ermöglichen. Die Software ist dabei ein wichtiger Faktor: Sie muss schnell und einfach zu erlernen sein, sollte aber auch das Potenzial für anspruchsvolle Produktionen bieten. Denn viele Teilnehmer arbeiten mit der Software, die sie im Kurs kennengelernt haben, anschließend erst einmal weiter. Ach ja: Und sie sollte auf Windows Rechnern laufen. Das viel gepriesene iMovie scheidet also schon einmal aus.

Auf der Suche nach dem geeigenten Tool für den Schulungsraum habe ich mir verschiedene Video-Editoren angeschaut. Den Anfang in der Reihe macht Adobe Premiere Elements.

Adobe Premiere Elements

Mit Adobe Premiere Pro soll Elements eher wenig zu tun haben. Aber den guten Namen hat es geerbt und damit wohl auch den guten Ruf. In Schulungsräumen trifft man nicht selten auf PRE. Eigentlich hat das Programm alles, was man braucht, und mit etwas Routine lässt sich damit auch ganz gut arbeiten.

Allerdings gibt es ein entscheidendes Manko: Schon beim Anlegen eines neuen Projekts fordert PRE die Entscheidung für ein Videoformat – und überfordert damit Anfänger. Denn wer kann schon sagen, ob das Material aus seiner Kamera “NTSC-HDV 720p 30″ oder “PAL-DV-Widescreen 48 kHz” entspricht? Zwar bietet PRE seit Version 9 beim anschliessenden Importieren des Mateials die automatische Anpassung der Auflösung an, doch das hilft nicht wirklich bei der Überwindung der ersten Hürde.

Leichtes Zurechtfinden

Die Benutzeroberfläche ist klassisch aufgebaut: ein Player, die Tracks darunter und rechts das Organizer-Modul zur Verwaltung des Materials, der Effekte und Überblendungen. Die drei Module lassen sich verschieben, ausblenden und als “floating Windows” beliebig anordnen.

Sehr hilfreich ist, dass alle Symbole mit Tooltip-Erklärungen ausgestattet sind. Der rechte Mausklick auf eine Stelle des Interfaces öffnet in den meisten Fällen ein gut sortiertes Menü, das die entscheidenden Funktionen des angeklickten Moduls zeigt. Funktionen sind verständlich bezeichnet – und das ist wichtig; so bietet der rechte Mausklick auf die Audiospur zum Beispiel die Funktion “Bild und Ton trennen” – beim Konkurrenten Magix Video Deluxe findet man diese wichtigen Arbeitsschritt erst nach längerem Suchen als “Gruppe auflösen” getarnt.

Auch das manuelle Einfügen von Schwarzblenden oder die Anpassung der Lautstärke ist über gut sichtbare gelbe “Gummibänder” in den Tracks schnell zu begreifen und relativ einfach zu bewerkstelligen. Schwieriger wird es, wenn man Blenden aus der Effektebox verwenden möchte. Die ist so vollgestopft mit all jenen Effekten, die man seinen Kursteilnehmern am liebsten gar nicht erst zeigen würde, dass die wenigen entscheidenden Schwarz-/Weißblenden und Crossfades darin untergehen.

Ein generelles Problem von Consumer-Videoschnittprogrammen; Videoeffekte und Automatik-Einstellungen wie “Instant Movie” können die Arbeit im Seminarraum erschweren.

“Teilen” statt “Exportieren”

Auch Kleinigkeiten können zu anhaltender Verwirrung führen: So heißt die Export-Funktion bei Premiere Elements nicht “Exportieren”, sondern “Teilen”.

Mit “Teilen” ist natürlich das Hochladen auf Social Media Plattformen direkt aus dem Programm gemeint. Das geht einfach und erfordert auch keine Kenntnisse von Containerformaten. In der Schulung will man freilich die Filme auf die Festplatte speichern. Hier bietet PRE die Optionen Flash, AVI oder Quicktime an – MPEG4 fehlt leider (was ich deswegen bedauere, weil dieses Format meiner Ansicht nach die besten Ergebnisse bei hoher Komprimierung bringt und ich es in Seminaren gerne demonstriere).

So einfach dieses “Teilen” klingt – trivial ist es nicht. Auch hier wird wieder einiges an Wissen vorausgesetzt: Je nachdem, für welches Containerformat sich der Nutzer entscheidet, muss er zwischen kryptischen Parameter wählen. Bei Flash z.B. “FLV-Web Large, NTSC Source (Flash 8 and Higher)”. Nimmt er das falsche, wird das 720p-Material unter Umständen in eine 640×480 – Auflösung gebracht.  Das führt zu schwarzen Balken im VLC-Player und zu Verzerrung im Quicktime Player.  Bei Quicktime ist die Wahl einfacher (PAL oder NTSC, “DV 16:9″ oder “DV), aber auch hier sind verschiedene Auflösungen fest voreingestellt (z. B. 720 x 480).

Ich bin ehrlich gesagt noch nicht dahinter gekommen, warum jede Voreinstellung eine andere Auflösung erzeugt und Material im Standard-Format 1280 x 720 (also HD 720p) im Quicktime-Preset auf 720 x 480 gebracht wird. Beruhigend alleine, dass selbst Video-Profis mir das bisher noch nicht schlüssig erklären konnten (hängt wohl auch mit dem Pixel-Seitenverhältnis zusammen; das Resultat sind jedenfalls verzerrte Videos).

Lediglich das WMV-Preset bietet tatsächlich die 720p-Auflösung an. Ansonsten bringt nur die genaue Anpassung in den Feineinstellungen am Ende ein Video ohne Balken und Verzerrung hervor.

Das gilt übringens für alle Programme, die ich getestet habe; keines war intelligent genug, das eingespeiste Material ohne weiteres Zutun am Ende optimal formatiert auszuspielen.

Noch einige Pros und Con

  • Gut arbeiten lässt sich mit In- und Out-Punkten, wenn man auf den Trick kommt, Video-Clips im Editierfenster per Doppelklick zu öffnen. Einfach Punkte setzen und Ausschnitt in die Timeline ziehen.
  • Gold wert für Gruppenarbeiten: Der “Project Archiver”. Damit lässt sich das gesamte Projekt von allen überflüssigen Dateien bereinigt in einen Ordner kopieren, der dann auf verschiedene Rechner verteilt werden kann.
  • Mit Premiere Elements lassen sich auch ganz gut Audio-Slideshows realisieren. Auch Zooms ins Foto und Schwenks über das Foto hinweg sind möglich, wenn auch etwas kompliziert (und im Anfänger-Unterricht nur schwer vermittelbar). Auf die Einstellungen für eine vernünftige (sprich: hohe) Ausgabequlität der Audio-Slideshows bin ich allerdings noch nicht gekommen – die Fotos verlieren stark an Schärfe und Qualität.
  • Es gibt ein paar Dinge, die bei Premiere Elements in der Unterrichtssituation nerven: Zum Beispiel die Video- und Audiotracks, die auch in der größtmöglichen Vergrößerung zu klein sind und ständig aus dem sichtbaren Bereich verschwinden.
  • Das Tutorial – im Programm eingebaut – ist brauchbar, hilft bei komplexeren Fragen aber nicht weiter. Sehr zu empfehlen ist die englischsprachige muvipix-community mit sehr hilfreichen Premiere Elements Experten, frei zugänglich für jedermann.
  • Wer PRE neu anschafft, sollte die Version 9 bestellen. Version 8 hat einige Macken, gebraucht empfiehlt sich eher Version 7, die allerdings wichtige Vereinfachungen noch nicht enthält.
  • PRE ist relativ ressourcenintensiv und läuft auf den Windows XP Schulungsrechnern, mit denen ich bisher gearbeitet habe, eher zäh.
  • Kosten: Um die 100 Euro.

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