Ausprobiert: Videofilmen mit der DSLR

Digitale Spiegelreflexkameras mit Video-Funktion haben bei Videofilmern für Begeisterung gesorgt. Die DSLR Optik ermöglicht eine geradezu cinematografische Ästhetik – Adam Westbrook spricht vom “New Look in Video Journalism“. Ich habe mir die Canon EOS 7D unter dem Aspekt angeschaut, ob sie als Werkzeug für mobile Journalisten taugt.

Haiti Earthquake Aftermath Montage from Khalid Mohtaseb on Vimeo.

Der Wechsel zwischen hoher und geringer Schärfentiefe macht den Kino-Look. Die Tiefe des Raumes wird spürbar. In der einen Einstellung sind alle Bildebenen in der Schärfe, in der nächsten verschwimmen Vorder- und Hintergrund, plastisch wächst das Hauptmotiv daraus hervor. Kompaktkameras und Camcorder der Consumer-Klasse sind dazu nicht in der Lage, denn zur geringen Schärfentiefe ist ein großer Sensorchip notwendig. Der sorgt – zusammen mit der hochwertigen Optik der austauschbaren Objektive – zugleich für eine hohe Bildqualität. Auch das ein Grund, warum DSLR-Videos wirken, als seien sie mit einer Profi-Filmkamera aufgenommen.

Wer eine DSLR der Kategorie EOS 7D (oder kompakter: die 550D) mit sich führt, kann zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Theoretisch. Praktisch ist das Filmen mit der DSLR nicht nicht ganz trivial.

Zunächst lässt sich mit dem globigen Gerät weit weniger gut aus der Hand filmen wie mit einem dafür optimierten Camcorder. Der Sucher ist im Video-Modus schwarz, weil der Spiegel hochgeklappt ist, so dass man auf das unflexible Display am Geräterücken angewiesen ist. Auch der Stabilisator funktioniert im Video-Modus nicht (zumindest konnte ich keine Wirkung feststellen). Ohne Stativ sind verwacklungsfreie Bilder kaum möglich.

Vor allem gibt es im Video-Modus keinen Autofokus. Wie bei Profi-Kameras muss mit der Hand am Objektiv scharf gezogen werden – was natürlich erst den schönen Effekt der Verlagerung der Schärfentiefe ermöglich. Einem bewegten Objekt zu folgen und bei Schwenks den neuen Fokus ohne “Pumpen” in die Schärfe zu bekommen, erfordert einiges an Können. Zumal die oft minimalen Schärfeunterschiede auf dem Display nur schwer wahrzunehmen sind.

Als Aufnahmeformate sind Full-HD (1.080p), 720p und ein platzsparendes 4:3 Format mit 640×480 Pixeln Auflösung bei 50 Fps möglich. Die hohe Auflösung und Framrate stellt natürlich hohe Anforderungen an den Speicherchip. Der sollte auf alle Fälle schnell sein (bei meinem Test gab es mit einem langsameren Chip Aussetzer) und einige Gigabyte Kapazität bieten. Beim hochauflösenden 1.080p-Format war der 8 GB Chip, den ich fürs Fotografieren verwende, rasch ausgeschöpft.

Positiv: Die EOS 7D verfügt über einen Eingang für ein Stereomikrofon. Damit ist auch beim Ton hohe Qualität möglich, ohne dass ein Aufnahmegerät mitgenommen werden muss.

Fazit: Für statische Settings, zum Beispiel Interviews vom Stativ, ist die DSLR durchaus eine Alternative zum Camcorder. In Situationen mit viel Action, Schwenks und bewegter Kamera ist sie weniger geeignet. Auch für Schulungszwecke (nach dem Motto: wir schulen Fotografie und Video mit ein und demselben Gerät) eignet sie sich nur bedingt.

Test: EOS 7D from Jovog on Vimeo.


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