Wer Flattrn will muss nicht nur Flattr vertrauen

Auf einen Dienst wie Flattr habe ich gewartet. Eigentlich. Beim ersten Versuch habe ich aber kurz vor dem Ziel noch einmal abgedreht.Hier die Gründe.

Flattr BezahlmetodenFür das gute Gefühl, darüber mitzubestimmen was wertvoll ist im Web, dafür würde ich gerne etwas bezahlen. Bisher ging das nur über Abonnements, bei denen man sich auf ein ganzes Inhalte-Paket dauerhaft festlegen musste. Oder durch umständliche Einzelkäufe. Mit Flattr ist ein Dienst entstanden, der das Gießkannenprinzip ermöglicht: Man spendet spontan per Mausklick für das, was gefällt.

Allerdings: Auch hier gibt es Hürden.

Die erste ist schnell überwunden: Weil der Dienst aus Schweden noch in der Aufbauphase ist, funktioniert die Anmeldung nur auf Einladung. Das ist insofern schade, als die Medien das Thema bereits vor Wochen entdeckt haben und die Aufmerksamkeit allmählich wieder abflaut.

Die eigentliche Hürde stellt aber – wie so oft – das Bezahlverfahren an sich dar. Flattr muss selbst auf Dienste zurückgreifen, die den Cash der User verwalten. Momentan sind das Paypal und Moneybookers, die ihrerseits wiederum mit Kreditunternehmen zusammenarbeiten. Wer bei diesen beiden aber noch kein Konto hat, muss sich jetzt dazu entschließen, um Flattr nutzen zu können.

Ich bin bei beiden bin noch nicht Kunde. Grund: Ich habe mich vor Jahren für Click&Buy entschieden, bin mit dem den in Köln gegründeten Micropayment-Dienst seither gut gefahren und überweise ansonsten direkt von meinem Online-Bankkonto oder mit Kreditkarte. Mich jetzt ohne echte Not bei einem weiteren Micropayment-Diensten zu registrieren, widerspricht der Idee, die sensiblen Bankdaten wenigen statt vieler Treuhänder zu überlassen.

Hinzu kommt, dass die Micropayment-Dienste sich natürlich ein Stück vom Kuchen abschneiden. Bei einem monatlichen Flattr-Kontingent von 10 Euro entfallen an Paypal 69 Cent, Moneybookers kassieren 50 Cent. Flattr selbst behält einen Euro (10 Prozent) ein.

Pfennigbeträge, die echte Altruisten nicht vom Flattrn abhalten sollten – zumal das Geschäft auf Gegenseitigkeit beruht: wer via Flattr spendet, darf auch auf seiner eigenen Seite einen Flatter-Button anbringen. Für viele, die nicht zum harten Kern der Web-Vielnutzer gehören und keine eigene Webseite betreiben, sind dies aber durchaus Hürden. Denkbar, dass sie nachziehen, wenn der “Flattr mich” Button erst einmal ähnlich dem “Like”-Button von Facebook auf jeder Seite prangt. Bislang fällt es indes noch schwer, Seiten zu finden, die sich flattrn lassen.

Ich werde jedenfalls einen zweiten Versuch unternehmen – sobald ich Zeit finde, mich in die AGBs von Moneybookers einzuarbeiten oder mich dazu durchringe, endlich bei dem (von mir ungeliebten) Paypal anzudocken. Oder Flattr weitere Optionen anbietet.

Update (Juli 2011)

Mittlerweile flattre ich. Im Herbst 2010 habe ich mich durchgerungen, ein Konto bei Paypal zu eröffnen. Das ich zeitweise aus Protest gegen die Wikileaks-Kontensperrung wieder gekündigt hatte. Momentan suche ich nach Alternativen.

Links:


One comment on "Wer Flattrn will muss nicht nur Flattr vertrauen"

  • käthe says:

    ein beitrag, den ich flattrn würde, hätt ich nicht die gleichen bedenken. drück ich eben auf den “gefällt-mir-button” ;-)
    kaatharinaa

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Comment

You may use these tags : <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>