Taschen-Camcorder im Test: Flip UltraHD versus Kodak Zi8

Flip Ultra HD und Kodak Zi8Flip oder Kodak? Die beiden Point-and-Shoot Videokameras sind handlich, leicht zu bedienen und filmen in HD-Qualität. Taugen sie als Reporter-Werkzeuge? Ich habe Ciscos Flip Ultra HD und die Zi8 von Kodak unter die Lupe genommen.

Bisher arbeite ich mit einer Flip Ultra der ersten Generation mit 640×480 Bildpunkten (4:3). Die reichte mir eigentlich vollkommen, zumal ich kein Freund des HD-Formats bin (das Fotografenherz blutet, wenn jedes Gesicht in den schmalen 16:9 – Balken gepresst werden muss, Hals und Hände dabei zu kurz kommen während rechts und links der Ohren viel leerer Raum bleibt). Allerdings kommt keines meiner Videoschnitt-Programme (iMovie und Adobe Premiere Elements) mit dem AVI-Format klar, das die Ur-Flip erzeugt.

Ausgabeformate

Als Alternative habe ich mir das Nachfolgemodell, die Flip UltraHD, und das Konkurrenzmodell von Kodak, die Zi8, genauer angeschaut. Beide arbeiten mit Adobe Premiere Elements und iMovie problemlos zusammen, so dass die mitgelieferten, eher rudimentären Schnittprogramme getrost ignoriert werden können.

Die Flip gibt Dateien im MP4-Containerformat aus, die Zi8 erzeugt MOV-Dateien (beide H.264 Codec). Beide erzeugen ähnliche Qualität, die aber natürlich bereits kräftig komprimiert ist. Mit jeder weiteren Komprimierung nimmt die Qualität ab.

Die ist ganz brauchbar für diese Preisklasse (140 – 180 Euro), kommt aber an die Ergebnisse einer vollwertigen HD-Kamera wie z.B. der Canon HF 100 (rund 750 Euro) nicht heran, selbst wenn man nur auf 720p geht. Die Flip zeichnet im 720p – Format (16:9) mit 30 Frames pro Sekunde auf, die Zi8 bietet darüber hinaus auch 1080p Full-HD Format und einen 720p-Modus mit 60 Frames pro Sekunde.

Audioqualität

Das Wichtigste beim Videofilmen ist bekanntlich der Ton. Darum ist der Stereo-Mikrofoneingang der Zi8 eine tolle Sache. Hier ließe sich im Zweifel sogar eine Funkstrecke anschließen, sofern sie über einen Miniklinke-Anschluss verfügt. Sogar der Pegel lässt sich steuern – in einfachster Form, versteht sich, aber immerhin. Das interne Mikrofon klingt etwas dumpf und ist nur mono. Letzteres muss bei Interviews freilich kein Nachteil sein.

Das eingebaute Mikrofon der Flip Ultra HD ist stereo und klingt klarer, erzeugte beim Test aber auch ein feines Rauschen. Völlig unverständlich, dass Flip keinen Mikrofoneingang anbietet! Ohne diese Möglichkeit ist ein Interview in einer halligen Halle, im Wind oder mitten in der Menge immer mit einem Qualitätsverlust verbunden.

Insgesamt klingen die eingebauten Mikrofone aber weit besser als die Handy-Mikrofone, die ich bisher gehört habe (das iPhone 4 war noch nicht darunter).

Mikrofon-Test:


Kodak Zi8 (Ohne Bearbeitung auf Youtube hochgeladen; das Pfeifen stammt offensichtlich von einem Gerät in der Nähe und war außerhalb des Zimmers nicht mehr vorhanden.)


Flip Ultra HD (Ohne Bearbeitung auf Youtube hochgeladen)

Das Beispiel veranschaulicht zugleich die beiden Minuspunkte der Zi8: Das Objektiv zeigt Motive erst ab einem Abstand von einem Meter scharf. Wenn man Gesichter bildfüllend filmen möchte (was sinnvoll ist, wenn der Ton über das eingebaute Mikrofon kommen soll), ist Unschärfe vorprogrammiert.

Vergleich Lichtstärke Kodak zi8, Flip Ultra HD, Flip UltraLichtstärke

Der andere Schwachpunkt der Zi8 ist die Lichtstärke: Im Beispiel links sieht man, wie die Flip Ultra HD auch bei schwach ausgeleuchteten Innenräumen noch scharfe Konturen zustande bringt. Die Zi8 neigt schnell zu Farbrauschen in den dunklen Partien.

Am besten schneidet hier übrigens die Ur-Flip ab, die dunkle Ecken heller wiedergibt als sie in Wirklichkeit waren. Eine wunderbare Eigenschaft wenn es darum geht, in Innenräumen ohne Zusatzbeleuchtung Interviews aufzunehmen.

Stabilisator

Wackelige Bilder sind das große Manko der kleinen Hosentaschenkameras. Der Bildstabilisator der Zi8 ist eine gute Idee – einen echten Effekt konnte ich aber nicht feststellen. Im Beispiel unten kann jeder selbst ermessen, ob zwischen Flip und Kodak in Sachen Bildstabilität ein Unterschied besteht.

Farbqualität

Die Farben der Zi8 wirken etwas satter, zugleich aber sind die Bilder dunkler und weniger konturiert; die Flip übertreibt die Farben leicht, was einen frischeren Eindruck erzeugt, manchmal aber unecht wirkt. Beide Kameras bestechen nicht wirklich bei der Wiedergabe der Farben und Lichtstimmungen.

Test: Stabilisator, Nahbereich


Kodak Zi8 mit Stabilisator (720p/30 fps)


Flip Ultra HD ohne Stabilisator (720p/30 fps)

Makro-Funktion und 60 fps-Modus

Die Zi8 hat einen Schalter für Nahaufnahmen, mit dem auf Zentimeternähe scharf gefilmt werden kann. Das ist im Prinzip eine gute Sache, doch ich habe den Verdacht, dass es auf Kosten des Mindestabstands im Normal-Modus geht; der beträgt, wie bereits erwähnt, einen Meter.

Außerdem kann die Zi8 auch mit 60 Bildern pro Sekunde aufzeichnen. Was natürlich zu größeren Dateien führt. Hier der Vergleich:


Kodak Zi8 mit 720p / 60 Bilder/sec


Flip Ultra HD mit 720p / 30 Bilder/sec

Datenübertragung und Stromversorgung

Beide Kameras besitzen den ausklappbaren “USB-Arm”, welcher der Flip den Namen gab. Die Flip funktioniert tatsächlich komplett ohne Kabel, denn über den USB-Arm lässt sich auch der Akku aufladen. Und wenn kein Computer in der Nähe ist, kann der Akku mit zwei normale AAA-Batterien ersetzt werden. Das ist ziemlich genial.

Ganz so autark ist die Zi8 leider nicht: Zum Laden des Akkus benötigt man ein spezielles Kabel, das die Kamera wahlweise mit einem Computer oder dem mitgelieferten Netzteil verbindet.

Ansonsten ist die Zi8 etwas breiter als die Flip und mit größerem Display ausgestattet, zugleich aber flacher und leichter. In eine Jackentasche passt sie damit fast noch besser.


Kodak Zi8


Flip Ultra HD

Fazit:

Die Kodak Zi8 hat einige Voraussetzungen, die aus einer Point-and-Shoot Kamera ein Reporterwerkzeug machen könnten: An erster Stelle steht der Mikrofoneingang, aber auch der Slot für die austauschbare SD-Karte ist für mich ein Muss. Lichtstärke und Bildqualität konnten mich aber nicht wirklich überzeugen, vor allem stört es mich gewaltig, dass Motive in die Unschärfe geraten, wenn man sich ihnen auf weniger als einen Meter nähert.

Bei der Lichtstärke ist die Flip UltraHD stark. Die Bilder wirken heller und schärfer, auch wenn die Farben weniger satt sind. Die Unabhängigkeit von Akku und Kabel macht sie zur echten “Immer-Dabei”-Kamera, wenn auch der eingebaute Speicher Grenzen setzt. Die 8 Gigabyte reichen für 2 Stunden Video – das dürfte in den meisten Fällen genügen, schafft aber bei längeren Expeditionen Abhängigkeit vom Computer. Ein echtes Manko ist der fehlende Mikrofoneingang; dadurch sind die Einsatzmöglichkeiten doch erheblich eingeschränkt.

Eine Mischung aus beiden Kameras – das wäre eine runde Sache.

Update 27.07.2010: iFanz and Friends haben die beiden Kameras ebenfalls getestet; bei ihnen schnitt die Kodak besser ab:  Der ultimative Kodak Zi8 vs. Flip UltraHD Test


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