Wer bestellt schon Bücher am Weihnachtstag?

Viele Medien berichteten nach Weihnachten, Amazon habe am Weihnachtstag 2009 mehr elektronische Bücher verkauft als gedruckte und werteten das als Durchbruch für das E-Book (Handelsblatt.de, RP-Online). Bei manchem wurde daraus sogar das Weihnachtsgeschäft (Spiegel.de). Das E-Book ist im Kommen, sicherlich. Aber die Pressemeldung, auf die jene Medienberichte offenbar beruhen, ist natürlich in erster Linie ein cleverer Schachzug der PR-Leute bei Amazon. Denn bei genauerem Hinsehen wundert es nicht, dass am 25. Dezember (ich glaube, in USA gilt der 25. als Christmas Day) keine Bücher mehr bestellt wurden: die lagen zu diesem Zeitpunkt nämlich bereits auf dem Gabentisch. Sehr wohl ist aber vorstellbar, dass die glücklichen Besitzer eines eben ausgepackten Kindle sofort loslegten und massenweise E-Books herunterluden. Immerhin war der Amazon Kindle der meistbestellte Geschenkartikel in der Geschichte Amazons, so die Pressemeldung. Eine Statistik, die aufzeigt, wie sich das Verhältnis vom E-Book-Absatz zu dem von Büchern im Vorfeld des Weihnachtsgeschäfts entwickelte, wäre aufschlussreich und würde die Nachricht wahrscheinlich relativieren. Amazon verzichtet wohlweislich auf diese Information – und viele Medien gaben sich damit zufrieden.

(Quelle: Stuttgarter Zeitung)


Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Comment

You may use these tags : <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>