Podcasting – lohnt sich das?

Quelle: wikicommons.orgKürzlich meldete paidContent.org, dass den Sparmaßnahmen beim britischen Medienkonzern Guardian News & Media auch die Stelle des bisherigen “Audio Development Managers” zum Opfer gefallen sei. Es habe sich kein Geschäftsmodell für Audio Podcasts finden lassen. Guardian.co.uk war bisher ein Vorreiter beim Audio-Podcasting. Im Grunde genommen war absehbar, dass sich Podcasting nicht in barer Münze auszahlt. Hat es überhaupt einen Nutzen?

Die Zahl der “audiophilen” Internetnutzer ist klein, aber es scheint einen harten Kern von Menschen zu geben, die gerne zuhören. Ich gehöre dazu. Mein kleiner Creative MuVo ist immer randvoll mit Podcasts, die ich beim U-Bahnfahren, Kochen, Putzen, Joggen abarbeite. Und ich kann gar nicht verstehen, dass nicht viel mehr Leute auf diese Weise vom reichhaltigen Audio-Angebot im Web Gebrauch machen: Da gibt es neben hervorragenden Nachrichtensendungen, Hintergrundberichten und Ratgeberangeboten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten auch solche Podcasts, die von Online-Medien oder Einzelkämpfern originär fürs Web produziert werden.

Allerdings: Die guten Angebote zu finden ist schwer. Und einen guten Podcast zu produzieren nicht minder.

Sieht man mal von den Audio-On-Demand Angeboten der Rundfunkanstalten ab, die mit professionellen Standards fürs Radio produziert werden und streng genommen gar keine “Podcasts” sind, wird es dünn – zumindest im deutschen Sprachraum. Viele der hoffnungsvollen Gehversuche aus den Anfangszeiten der Podcast-Euphorie sind inzwischen auf dem Podcast-Friedhof gelandet. Es gehört verdammt viel Stehvermögen dazu, regelmäßig eine neue Folge aus dem Boden zu stampfen. Und Geld verdienen lässt sich mit Audio-Podcasts so gut wie nicht.

Wozu dann überhaupt podcasten?

Zur Hörer-, Leser- oder Kundenbindung. Alex Wunschel hat es mit seinem “Blick über den Tellerrand” geschafft, sich als Deutscher Podpabst zu etablieren, weil er seit Jahren beharrlich sendet und für manchen Hörer zum stetigen Begleiter geworden ist. Und: Sein Podcast erfüllt wichtige Kriterien:

  • Originalität
  • Moderatoren-Persönlichkeit mit guter Stimme
  • Saubere, qualitativ hochwertige Produktion
  • Hoher Informationswert für die Zielgruppe
  • Dialog mit dem Hörer

Entscheidend ist aus meiner Sicht die Moderatoren-Persönlichkeit. Mehr noch als beim Radio ist sie der eigentliche Grund, warum ein Podcast “Stickyness” entwickelt. Gut zu beobachten war dies beim Guardian Tech Weekly Podcast. Der verlor nach dem Ausstieg von Moderatorin Aleks Krotoski erheblich an Charme, denn die neue Moderatorin geht mit ihrer bemühten Witzigkeit und ihrer piepsigen Stimme eher auf die Nerven.

Dabei kann es durchaus auch eine Stimme sein, die nicht radiotauglich ist. Einer der beliebtesten internationalen Podcasts ist “Behind the Cover” von Businessweek, bis vor kurzem moderiert von Chefredakteur John Byrne höchstselbst (Byrne verlässt das Blatt). Trotz – oder vielleicht sogar gerade wegen – der lispelnden und wenig radiogenen, aber authentischen Moderation war dieser Podcast eine meiner Perlen, auf die ich mich immer wieder freute. Das lag an Byrnes’ Witz, an den ungezwungenen Dialogen mit den Businessweek-Autoren, die zuweilen eigene Standpunkte und Insiderwissen preisgeben.  Dabei ist das Konzept simpel: 15 Minuten Gespräch über das Making-of des neuesten Businessweek-Titels mit dem Autor – kein Jingle, keine Schnickschnack.

Die freie Rede, das “Plaudern aus dem Nähkästchen”, ist ein Kennzeichen von guten Podcasts. Es ist diese Form der Information, die Paarung aus Insiderwissen und Journalistenpersönlichkeit, die Podcasts gegenüber einem ausgewogenen Radiobericht besonders spannend machen können. Das als Podcast aufbereitete Computermagazin des Bayerischen Rundfunks gehört zwar auch zu meiner wöchentlichen Hör-Diät, aber eher aus beruflichen Gründen. Spaß macht er eigentlich nicht. Die klassische Magazin-Bauweise des Wort-Radios mit gebauten Beiträgen und überleitender Moderation wirkt altbacken, die Ausrichtung auf eine möglichst breite Zielgruppe gibt der Informationstiefe enge Grenzen vor – es soll sich ja keiner überfordert fühlen.

Ganz anders der bereits erwähnte Guardian Tech Weely Podcast: Hier unterhalten sich Fach-Journalisten des Guardian auf Augenhöhe über die neuesten Entwicklungen. Es gibt einen Nachrichtenblock, der anschließend von den Journalisten diskutiert wird. Als Hörer hat man das Gefühl, dabei zu sein. Ein Format, das so vielleicht überhaupt nur als Podcast funktionieren kann; das lineare Fließprogramm des Radios kann es sich nicht erlauben, einen Großteil der Hörerschaft mal eben auszublenden, weil man eine halbe Stunde für ein Nischenpublikum sendet.

Und – lohnt sich Podcasting nun für Online-Medien?

Ja – wenn es eine Rolle spielt, dass ein Nischen-Publikum emotional an das Produkt gebunden wird. Allerdings: Das Konzept sollte so gestrickt sein, dass der Aufwand so minimal wie möglich ausfällt. Das heißt: Verwendung von Material, das ohnehin bei der Recherche anfiel, statt aufwändige Interviews. Oder Fachjournalisten über die Themen plaudern lassen, die sie ohnehin gerade beackern und damit Synergieeffekte mit dem Muttermedium erzeugen, indem man im Podcast für die Online-Geschichte wirbt. Querverbindungen zwischen Podcast und Muttermeidum schaffen – ein Faktor, der erstaunlicherweise häufig vernachlässigt wird. Den Kontakt mit dem Publikum auch über Soziale Netzwerke suchen und die Hörer einbinden. Und nicht erwarten, dass sich messbarer Erfolg schon nach wenigen Ausgaben – wenn überhaupt – einstellt.


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