“Spoofer” nutzen Medienberichterstattung über Abmahnungen bei Ebay aus

Um ein Haar hätte es mich erwischt. Gerade hatte ich im Computermagazin-Podcast von Bayern 5 erfahren, dass dreiste Anwälte wieder einmal eine Grauzone in den Telemediengesetzen ausznutzen und Verkäufern in Ebay teure Abmahnungen zustellten, da fand ich eine solche just in meinem eigenen Postfach.

Vor einem Jahr habe ich zuletzt etwas auf Ebay versteigert. Und natürlich nicht auf Widerrufsrecht und Anbieterkennung geachtet. Hier hatte ich es nun schwarz auf weiß:

Sie bieten unter der Internethandelsplattform Ebay Computerartikel im Wege des Fernabsatzes an, ohne dabei auf das Verbrauchern zustehende gesetzliche Widerrufsrecht hinzuweisen, wie bei dem von Ihnen angebotenen Ebay Artikel mit der Nummer 1580089475 geschehen.

Damit verstossen Sie gegen §312c Abs.1 BGB sowie gegen §1 Abs.1 S.10 BGB-InfoV und führen unlauteren Wettbewerb nach §3, §4 Abs.1 S. 11 UWG. Unserer Mandantin steht damit ein Unterlassungsanspruch gemäß §8 Abs.1,Abs. 3 S. 1 UWG zu.

Ebenso sind sie nach §9 UWG unserer Mandanten zum Schadensersatz verpflichtet und damit zur Uebernahme der Kosten unserer Beauftragung in Höhe der beigefügten Kostennote 830,00 Euro.

Gezeichnet: Ein gewisser Günter Frhr. v. Gravenreuth. Bestens bekannt als Abmahn-Anwalt.

Voller Panik begann ich sofort eine Nachricht an den Stuttgarter Internet-Anwalt Markus Schließ zu formulieren, als mir auffiel, dass mein Antivirus-Programm den Anhang Mahnung05.zip aus der Mail gefiltert und als Trojaner identifizert hatte. Und erst jetzt fiel mir auch auf, dass der Absender ein gewisser Brett Meeks, die Absenderadresse höchst dubious und in Rumänien registriert war.

Allerdings: Auch Anwalt Schließ nahm die “Zahlungsaufforderung” erst einmal ernst. Ihn machte stutzig, dass sie im Namen “unseres Mandanten Ebay” verfasst war. “Das würde Ebay nie tun”, so Schließ. Außerdem müsse eine Abmahnung per Briefpost kommen. Das ganze sei aber fachlich so professionell getextet, dass selbst er den Fake nicht auf den ersten Blick erkannt habe.

Und doch grummelt mein Bauch weiter, wenn ich die Berichte über die Abmahnwut lese: Vielleicht war’s doch kein Fake?


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