Blogging Strategien 4: The Guardian

Beim britischen Guardian machen die Weblogs einen “bedeutendenden Teil des Online-Angebots” aus, wie mir Neil McIntosh, Leiter des Editorial Departments, verriet. Zum einen gehöre die Blog-Leserschaft zu den engagiertesten und treuesten Lesern, zum anderen hätten die Blog-Aktivitäten dem Guardian zu einem Image als modernes Meidum verholfen, das neuen Ideen gegenüber offen ist und einen guten Draht zu seinen Lesern hat.

There is nothing worse than blogs on a site that don’t think they really matter“, sagt McInthosh. Sprich: Der Verlag muss seine Weblogs, die Blog-Autoren und -Leser ernst nehmen und Bloggen nicht nur als einen Strom betrachten, in dam man wohl oder übel mitschwimmen muss.  “Blogs, die nur wie Blogs aussehen, bringen nichts”, sagt McIntosh, selber ein passionierter Blogger.

Für ihn sind Leserkommentare in Weblogs wichtige Bestandteile des Inhalts der Online-Ausgabe – er scheut sich nicht, sie als Analyse zu bezeichnen: “Blogs zu haben ist eine Möglichkeit, in bestimmten Nischen wichtige Einschätzungen und Analysen von Ereignissen zu erhalten”, sagt er. Und die Leser honorieren das Angebot, als Mitgestalter ernst genommen zu werden. Zwei Millionen unique visitors zählt das Flagschiff der Guardian-Blogs, Comment-is-free, im Monat. “Und das sind zugleich unsere treuesten Leser”, erklärt McIntosh. Teil der Strategie ist es, Debatten von Gastautoren anstoßen zu lassen. Derzeit bloggt der muslimische Autor und Kulturkritiker Ziauddin Sardar jede Woche einen Vers aus dem Koran, die Kolumnistin Madeleine Bunting moderiert die Debatte.

Die meisten Guardian-Weblogs werden von Journalisten des Guardian verfasst, nur in Ausnahmefällen schreiben externe Blogger. Insbesondere wer ein Spezialthema betreut oder über Spezialwissen verfügt, wird dazu angehalten, darüber auch zu bloggen. Es sei Teil des Jobs und geschieht, während man an Artikeln für die Online-Ausgabe oder die Zeitung schreibt – oder danach, erklärt McIntosh.

Eine goldene Regel für Weblogs will er indes nicht aufstellen. “Was immer die Leute glauben machen wollen – es gibt keine Orthodoxie beim Bloggen, keine feste Regeln,” sagt er. Und stellt dann doch ein paar auf:

  • Jeder Journalist sollte ein Weblog haben, ganz egal, worüber er schreibt, um sich mit der Funktionsweise und der Blogosphere vertraut zu machen.

und:

  • “Frag dich bei allem, was du schreibst, was es dem Leser nutzt – schreibe nicht einfach weil du glaubst, es tun zu müssen – das wäre reine Zeitverschwendung”.

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